Herr Kessler, was tun Sie eigentlich persönlich für die Nachhaltigkeit?

Autor und Schauspieler Michael Kessler
Michael Kessler: Das ist ein mir überhaupt nicht fremder Gedanke. Nachhaltigkeit zieht sich sehr stark durch mein Leben, da ich ein sehr umweltbewusster Mensch bin. Das versuche ich auch aktiv zu leben. Ich bin ein passionierter Fahrradfahrer und mein Auto steht eher still. Ich hasse Plastik und Müll, wie auch den unbewussten Umgang mit Plastik und Müll. Als ein bewusster Konsument überlege ich mehrere Male bevor ich etwas kaufe, denn alles landet eines Tages auf dem Müll. Ich bin kein Vegetarier, versuche mich aber dennoch gesund zu ernähren. Vor allem mit Wasser gehe ich äußerst vorsichtig um. Unser Vorrat an Trinkwasser ist begrenzt. Bei mir gibt es keine laufenden und tropfenden Wasserhähne und ich dusche auch nicht stundenlang. Wenn ich einen Raum verlasse lösche ich immer das Licht.
The Foo e.V.:
Würde Ihnen noch Produktinformation fehlen? Würden sie mehr Transparenz wünschen?
MK:
Wir Deutschen halten uns gerne lange an alten Zöpfen fest. Wir sind sehr langsam, wollen es allen Recht machen und es gibt viel zu viel Lobbyismus. Das haben wir gerade beim Rauchverbot wieder erlebt: ein Schritt vor, zwei Schritte zurück. Wenn ich an der Regierung wäre, hätte ich vieles längst geändert. Ich bin in den 80ziger Jahren groß geworden mit Waldsterben und Tschernobyl. So etwas wie die Benzin/Stopp Automatik hatten wir schon vor 20 Jahren. Plötzlich war es verschwunden und jetzt kommt alles wieder und es wird so getan, als wäre das was Neues. Ich verstehe auch nicht, dass man heute noch Häuser bauen darf, ohne Solarenergie, Geothermie oder den Einsatz von zweierlei Wasserkreisläufen, um z.B. Regenwasser als Brauchwasser zu nutzen. All diese Möglichkeiten gehören längst gesetzlich festgelegt, evtl. auch die Auflage nur noch Niedrigenergiehäuser zu bauen. Wir müssen den Umweltschutz und den sorgsamen Umgang mit der Natur wieder in unserem Bewusstsein verankern, vor allem bei den jungen Generationen, die ohne sauren Regen oder Ölkrise groß geworden ist. Die viel gepriesenen Elektroautos halte ich übrigens für eine Sackgasse, da noch zu viel fossile Brennstoffe und Atomkraft für die Stromerzeugung verwendet müssen.

Michael Kessler
The Foo e.V.
Könnten Sie sich vorstellen mehr zu tun?
MK:
Wenn ich etwas sehe, sage ich auch was. Leider sagen wir uns alle gegenseitig aber immer weniger und lassen uns auch immer weniger sagen. Das ist auch eine Erfahrung aus der „Berliner Nacht-Taxe“, wo es um Nachhaltigkeit in der Kommunikation geht, um Austausch, der immer weniger stattfindet. Wir sind alle sehr bei uns, schützen uns und verkriechen uns oft. Ein Hinweis oder Tipp wird oft gleich als Angriff auf die persönliche Freiheit missverstanden. Das Prinzip der Nachhaltigkeit wird gar nicht gesehen. Wir alle sind leider oft viel zu bequem, um etwas zu ändern. Erst, wenn etwas passiert ist, verändern wir vielleicht unsere Einstellung. Dann kann man nur hoffen, dass es nicht schon zu spät ist.
The Foo e.V.
Vor welchen Aufgaben stehen die Gesellschaft und die Politik?
MK:
Wir alle müssen uns neu programmieren! Wir müssen in Fitnesscentern oder Hotels nicht zwanghaft stundenlang duschen weil wir ja „dafür bezahlt“ haben. Wäsche ist auch frisch und sauber, wenn sie nicht wie eine ganze Parfümerie riecht. Wir müssen unseren Hygiene-Fimmel wieder abbauen und unser Wasser aus dem Hahn trinken.
Ich fahre keine Wasserkisten mit dem Auto durch die Gegend. Es werden keine Plastikflaschen mehr für mich erzeugt und vernichtet. Es gibt viele Momente, in denen man tagtäglich nachhaltig sein kann.
Aber auch die Industrie muss endlich reagieren. Warum kostet ein Wasser mehr als ein Bier? Warum kostet ein Waschmittel ohne Farb-, Duft-, Konservierungs- und Farbstoffen mehr als eines mit der ganzen Chemie drin? Müsste das Produkt, in dem „weniger drin ist“ nicht auch weniger kosten? Ja! Aber mit „Bio“ und „frei von Konservierungsstoffen“ lässt sich eben auch viel Geld verdienen. Das ist absurd und macht es den Menschen nicht einfacher umzudenken.
The Foo e.V.
Wir wollen die Menschen, die ähnlich ticken versammeln, wir sind Foos. Wir machen es, reden drüber und irgendwann wirkt es auch bei anderen. Gerade auch bei den Kindern. Wenn man mit gutem Beispiel voran geht und als Foo den Kindern diese Gedanken schon mitgibt, dann ist es „cool“ ein Foo zu sein und deshalb laufe ich in der Wohnung rum und mache das Licht aus mit den Worten „hurra, ich bin ein Foo!“. So fangen wir an und stupsen die Menschen an.
MK:
Ich habe das Gefühl, dass die Beeinflussung durch die Werbung und die Medien, gerade bei Kindern, immens ist. Dagegen müssen die Foos schon ganz schön ankämpfen. Aber ich glaube auch, dass das Internet uns Konsumenten ein großes Macht-Potential bietet. Die Menschen können sich schnell vernetzen und austauschen. Die Konzerne fürchten sich bereits vor schlechten Kritiken und Bewertungen im Netz. Es ist schön, dass man sich nach 20 Jahren endlich wieder über den Wahnsinn der Atomkraft unterhält, weil „Endlager“ eben keine „Endlager“ sind. Es ist schön, dass die Menschen mehr und mehr benzinsparende Kleinwagen kaufen. Aber auch hier brauchte es für die Diskussion leckende Uranfässer und schwindelerregend hohe Benzinpreise.

Michael Kessler
The Foo e.V.
Könnten Sie sich vorstellen die Nachhaltigkeitsfragen auch anderen zu stellen?
MK:
Ich finde es schade, dass es gerade in meiner Branche, in den ganzen Talkshows zum Beispiel, kaum mehr um relevante Themen geht. Ich denke oft: „Warum reden wir nicht mal über Atomkraft oder übers Strom sparen, als über das nächste Buch oder den neuen Film?“
Ich wünsche dem The Foo e.V. auf jeden Fall „nachhaltig“ alles Gute und ganz, ganz viel Erfolg!
The Foo e.V.
Herr Kessler, vielen Dank für das wunderbare Gespräch.
Weitere Infos zu Herrn Kessler: http://www.michaelkessler.tv/
Das Foo-Gespräch mit Michael Kessler fand am 12. September 2009 in Berlin statt. Das Interview führten die Foos Julia Ehle und Lutz Dziarnowski
Weitere Interviews:
Herr Hermann Brem, Bundestagskandidat der GRÜNEN in München, was tun Sie denn persönlich für die Nachhaltigkeit?
Ich gehe schonend mit allen Ressourcen um, auch ganz privat, vom Haushalt angefangen bis in die Arbeit. In der Arbeit schaue ich, dass sich auch unsere Mitarbeiter über lange, lange Zeit im Unternehmen wohl fühlen. Dazu gehört mitzudenken und, dass jeder seinen Beitrag leisten kann. Grundsätzlich ist für mich nachhaltig, was nicht nur mir nutzt, sondern auch anderen. Nicht nur meiner Generation, sondern auch anderen Generationen.
Naja, ein ganz konkretes Beispiel, das mache ich also zu Hause als auch in der Firma, wenn ein Rest Heißwasser im Teekessel übrig bleibt, dann gieße ich das nicht weg, sondern gieße es in eine Metallkanne, bis ich dieses Wasser zum Beispiel zum Blumen gießen benutzen kann. Das ist ein ganz klitzekleiner Beitrag, aber etwas, was jeder ohne Mühe für eine Nachhaltigkeit tun kann. Diese Aktion macht sogar schon Schule, da andere um mich herum plötzlich auch damit anfangen und mitmachen. Natürlich mache ich auch überall das Licht aus im Büro, falls es jemand vergessen haben sollte.
Frau Husemann-Roew, PR-Managerin, was tun Sie denn persönlich für die Nachhaltigkeit?
Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad, ich fahre jeden Tag mit der Bahn. Wir verkaufen unser Auto. Ich initiiere hier in der Arbeit nachhaltige Projekte. Genauso auch intern, also das eigene Büro umstellen auf Nachhaltigkeit. Nehme hier in München an Ökoprofit teil zum Beispiel. Nutze DB-Rad (call-a-bike) sehr intensiv. Ich versuche die Leute zu überzeugen, ihr Tun zu überdenken. Ich versuche den Plastikmüll auch im Büro zu reduzieren und den Rest in eine Recyclingtonne zu bringen.




[...] 21. September 2009 von befoo Seit heute sind die ersten Interviews im Rahmen der Kampagne zu lesen, bzw. zu sehen. Die Reihe wird fortgesetzt und allen denen Foos begegnen wird die Nachhaltigkeitsfrage: „Was tun Sie eigentlich persönlich für die Nachhaltigkeit?“ gestellt. Unsere ersten Interviews finden Sie unter http://befoo.wordpress.com/projekte/interviews/ [...]